Kommunale Wärmeplanung entscheidet über Zukunft der Gasnetze

 

Kommunale Wärmeplanung entscheidet über Zukunft der Gasnetze

Dirk Kaitschick, Energieexperte der FREIE WÄHLER Niedersachsen




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Die Energieversorgung steht vor einem tiefgreifenden Umbau. Doch während in Berlin und Hannover über Zielbilder, Fristen und Technologien diskutiert wird, müssen Kommunen vor Ort die Folgen tragen: unsichere Energiepreise, wechselnde gesetzliche Vorgaben, milliardenschwere Investitionsbedarfe und die offene Frage, wer am Ende bezahlt.

Im Mittelpunkt steht die kommunale Wärmeplanung. Sie entscheidet künftig wesentlich darüber, in welchen Gebieten Gasnetze weiterbetrieben werden können, wo Wärmenetze entstehen sollen und wo Gebäudeeigentümer auf individuelle Lösungen wie Wärmepumpen, Biomasse oder andere Technologien angewiesen sein werden. Für z.B. Northeim und Einbeck scheint der Fortbestand und Betrieb des Gasnetzes mittelfristig sicher, aber es geht damit nicht um abstrakte Klimaziele, sondern um Versorgungssicherheit, bezahlbares Wohnen und die finanzielle Handlungsfähigkeit der Kommunen. Für ländliche Gemeinden wie z.B. Kalefeld allerdings wird bei vielen Wärmepumpen und geringer Gasdichte ist die Wahrscheinlichkeit einer Stilllegung einzelner Stränge hoch.

„Die Wärmeplanung darf nicht zur Blaupause aus dem Ministerium werden, die über die Realität in unseren Städten, Dörfern und Ortsteilen hinweggeht“, erklärt Dirk Kaitschick von den FREIEN WÄHLERN Niedersachsen. „Jede Kommune hat andere Siedlungsstrukturen, andere Netze, andere wirtschaftliche Möglichkeiten und andere technische Voraussetzungen. Wer überall dieselbe Lösung erzwingen will, produziert am Ende hohe Kosten, Versorgungslücken und Akzeptanzverlust.“

Nach den gesetzlichen Vorgaben des Energiewirtschaftsgesetzes und den energiepolitischen Planungen auf Bundes- und Landesebene müssen Gasnetzbetreiber ihre Netzentwicklung zunehmend an den Ergebnissen der kommunalen Wärmeplanung ausrichten. Entscheidend werden künftig Wärmebedarf, die Zuweisung von Wärmeversorgungsgebieten, die Wirtschaftlichkeit eines Netzes sowie realistische Alternativen für Haushalte und Gewerbe sein.

Z.B. für die ländlichen Regionen wie Kalefeld bedeutet das: Einzelne Gasnetzstränge werden voraussichtlich keine langfristige Perspektive mehr haben. Wo die Zahl der Anschlüsse sinkt, Sanierungen anstehen oder wirtschaftliche Alternativen verfügbar sind, kann die Stilllegung oder ein Rückbau unausweichlich werden. Ein Weiterbetrieb wird vor allem dort möglich sein, wo Nachfrage, technische Substanz und Finanzierung dauerhaft tragfähig bleiben.

„Man kann ein Gasnetz nicht politisch am Leben halten, wenn die Kunden abwandern und die Kosten auf immer weniger Schultern verteilt werden“, so Kaitschick. „Aber man darf die Menschen auch nicht mit Entscheidungen alleinlassen, die ihr Eigentum, ihre Heizkosten und ihre Lebensplanung über Jahrzehnte prägen.“

Der Rückbau oder die Umstellung von Gasnetzen verursacht erhebliche Kosten. Leitungen müssen stillgelegt, Anlagen abgeschrieben und die verbleibende Infrastruktur sicher betrieben werden. Diese Belastungen treffen nicht nur die regionalen Energieversorger. Sie können über Netzentgelte, Anschlusskosten und sinkende Ausschüttungen auch Gaskunden, Grundstückseigentümer und kommunale Haushalte erreichen.

Besonders problematisch ist: Wenn kommunale Energieversorger hohe Abschreibungen verkraften müssen, sinkt ihr finanzieller Spielraum. Das kann langfristig zu geringeren Gewinnausschüttungen an Städte und Gemeinden führen — und damit zu weniger Geld für Schulen, Straßen, Feuerwehr, Sportstätten oder soziale Angebote.

„Die Rechnung darf nicht still und leise bei den Bürgerinnen und Bürgern landen“, warnt Kaitschick. „Wärmeplanung braucht Ehrlichkeit: Was kostet der Umbau? Wer trägt welche Last? Und welche Lösung ist vor Ort tatsächlich bezahlbar?“

Die Elektrifizierung der Wärmeversorgung erhöht zugleich den Druck auf die lokalen Verteilernetze. Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur, PV-Anlagen, Batteriespeicher und zunehmender Strombedarf im Gewerbe treffen vielerorts auf (Verteiler-) Netze, die für diese gleichzeitigen Lasten nicht ausgelegt sind.

„Wenn alle Wärmepumpen gleichzeitig laufen und zusätzlich E Autos geladen werden, müssen wir vermutlich nie wieder Schnee fegen — weil dann die Leitungen unter den Gehwegen glühen“, kommentiert Kaitschick zugespitzt. „Der Satz ist satirisch gemeint, aber das Problem ist real: Ohne rechtzeitigen Netzausbau drohen Engpässe, Verzögerungen und steigende Kosten.“

Die FREIEN WÄHLER Niedersachsen fordern deshalb, Stromnetze und Wärmeplanung gemeinsam zu betrachten. Es reiche nicht aus, den Einbau neuer Heizsysteme politisch zu beschleunigen, wenn die erforderliche elektrische Infrastruktur in den Ortsteilen nicht vorhanden sei.

Eine stabile und bezahlbare Wärmeversorgung braucht aus Sicht der FREIEN WÄHLER einen technologieoffenen, regionalen Ansatz. Windenergie, Photovoltaik, Biogas, Speicher, Abwärme und lokal passende Wärmenetze können einen wichtigen Beitrag leisten, vorausgesetzt, Erzeugung, Verbrauch und Netzausbau werden sinnvoll aufeinander abgestimmt.

Kleinräumige und netzdienliche Lösungen können die überregionalen Netze entlasten, Wertschöpfung in der Region halten und die Versorgung widerstandsfähiger machen. Dafür brauchen Kommunen jedoch Planungssicherheit, ausreichende fachliche Unterstützung und eine Finanzierung, die nicht allein auf den Schultern der Bürger und Gemeinden liegt.

„Wir brauchen keine Ideologie, sondern funktionierende Energieversorgung“, betont Kaitschick. „Die kommunale Wärmeplanung muss transparent, wirtschaftlich und regional differenziert erfolgen. Bürger haben ein Recht darauf zu wissen, welche Folgen Entscheidungen für ihr Haus, ihren Betrieb und ihre Gemeinde haben. Und Kommunen dürfen mit den finanziellen Risiken dieses Umbaus nicht allein gelassen werden.“