Die FREIEN WÄHLER Niedersachsen warnen vor einer dramatischen Verschlechterung der psychischen Gesundheitsversorgung im Land

 

Die FREIEN WÄHLER Niedersachsen warnen vor einer dramatischen Verschlechterung der psychischen Gesundheitsversorgung im Land

Oliver Wempe Landesvorsitzender der FREIE WÄHLER Niedersachsen und Kandidat für das Amt des Regionspräsidenten




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Die FREIEN WÄHLER Niedersachsen warnen vor einer dramatischen Verschlechterung der psychischen Gesundheitsversorgung im Land. Seit der Corona‑Pandemie ist die Nachfrage nach ambulanter Psychotherapie deutlich gestiegen, insbesondere im Kinder‑ und Jugendbereich. Praxen berichten von einer Zunahme psychischer Erkrankungen um rund 60 Prozent, von deutlich längeren Wartezeiten und einer Versorgungslage, die vielerorts an ihre Grenzen stößt. Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche, bei denen Angststörungen, Depressionen und Essstörungen stark zugenommen haben. Die Region Hannover zeigt diese Entwicklung wie unter einem Brennglas: hohe Fallzahlen, überlastete Praxen und eine strukturelle Unterversorgung bei Kassensitzen, die den Zugang zu schneller Hilfe erschwert.

Gleichzeitig verschärft die jüngst beschlossene GKV‑Reform die Lage weiter. Durch die Rückführung psychotherapeutischer Leistungen in die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung drohen Honorarkürzungen, weniger Therapieplätze und noch längere Wartezeiten. Die FREIEN WÄHLER kritisieren, dass die Reform ausgerechnet jene Bereiche trifft, die seit Corona am stärksten belastet sind. Die Budgetierung psychotherapeutischer Leistungen führt dazu, dass Praxen weniger Zeit pro Patient haben, komplexe Fälle schwerer versorgen können und notwendige Behandlungen verzögert werden. Dies steht im klaren Widerspruch zum Grundsatz „ambulant vor stationär“ und gefährdet die Stabilität der Versorgung.

Besonders schwerwiegend ist, dass psychische Erkrankungen wie Burnout, Depressionen und Angststörungen einen erheblichen Anteil der Krankschreibungen in Niedersachsen ausmachen. Burnout gehört seit Jahren zu den häufigsten Ursachen für langfristige Arbeitsunfähigkeit und verursacht immense volkswirtschaftliche Kosten. Psychotherapie ist hier ein zentraler Baustein, um Menschen schnell wieder arbeitsfähig zu machen und chronische Verläufe zu verhindern. Werden psychotherapeutische Leistungen gekürzt oder verzögert, verlängern sich Krankschreibungen zwangsläufig. Das bedeutet höhere Kosten für Arbeitgeber, Krankenkassen und die Volkswirtschaft insgesamt. Die FREIEN WÄHLER betonen, dass Kürzungen in der Psychotherapie nicht nur unsozial, sondern auch ökonomisch unsinnig sind: Sie erzielen den gegenteiligen Effekt und führen zu mehr Ausfällen, mehr Chronifizierungen und höheren Folgekosten.

Es trifft aber nicht nur ambulante Therapiemöglichkeiten. Die Dietrich Bonhoeffer Klinik für suchtkranke Jugendliche in Ahlhorn kann in ihrer jetzigen Form nicht fortgeführt werden. Zwar soll ein therapeutisches Angebot am Standort bleiben, jedoch wird die Anzahl der spezialisierten Therapieplätze reduziert. Hier gilt dasselbe wie für das oben Beschriebene. Die Folgekosten dürften höher sein, als die Einsparungen.

Die FREIEN WÄHLER Niedersachsen fordern daher eine klare politische Priorisierung der psychischen Gesundheit. Dazu gehören mindestens 20 Prozent mehr Kassensitze für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, Sonderkontingente für die Kinder‑ und Jugendpsychotherapie, die Rücknahme der psychotherapiebezogenen Budgetierung im Rahmen der GKV‑Reform sowie der Ausbau niedrigschwelliger Angebote in Schulen, Jugendhilfe und Kommunen. Die psychische Gesundheit der jungen Generation und der Erwerbstätigen im Land müsse endlich als zentrale Zukunftsfrage verstanden werden. Wer hier kürzt, gefährdet nicht nur die Versorgung, sondern auch die wirtschaftliche Stabilität und das gesellschaftliche Wohl.