Pressemitteilung der AbL: „Tag des offenen Hofes“ für Dialog nutzen

Bauernorganisation gegen Falsch-Präsentation von Agrarkonzernen als „Bauernhöfe“

Der Landesverband Niedersachsen/Bremen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) hat Bürgerinnen und Bürger ermuntert, den vom Bauernverband organisierten, bundesweiten „Tag des offenen Hofes“ zum vorurteilsfreien Dialog mit Bäuerinnen und Bauern zu nutzen. Die allermeisten Bauernfamilien mit ihrem „Denken in Kreisläufen, Fruchtfolgen und Generationen“ zeigten die große Bedeutung vielfältiger, mittelständisch-bäuerlicher Strukturen für den Erhalt lebendiger Regionen und für eine nachhaltige Landwirtschaft. Die meisten Bauern freuten sich über ein Interesse ihrer Hofbesucher an der wirtschaftlichen Lage der Höfe, an möglichen gemeinsamen Strategien hin zu fairen Erzeugerpreisen und über Solidarität gegenüber der wachsenden Konkurrenz durch Agrarindustrie und Agrarkonzerne auf Boden-, Energie- und Produktmärkten.

    
AbL-Landesvorsitzender Ottmar Ilchmann begrüßte es, dass sich z.B. in Niedersachsen auch Geflügel-, Schweine- und Biogasbetriebe an dieser Aktion beteiligten, nachdem in der Vergangenheit fast ausschließlich Milch- und Ackerbauern oder Direktvermarkter der Öffentlichkeit präsentiert worden seien. Sinnvoll sei es, die verschiedenen Geflügel-Haltungsformen nicht nur im Kükenstadium, sondern auch kurz vor der Ausstallung zu präsentieren. Insgesamt böten die Hofbesuche eine gute Gelegenheit, zwischen Verbrauchern und Landwirten auch über geeignete Rahmenbedingungen für eine artgerechtere Tierhaltung mit mehr gesellschaftlicher Akzeptanz und mit endlich fairen Erzeugerpreisen zu sprechen.

Die AbL freue sich, dass auch in den ostdeutschen Bundesländern viele bäuerliche Familienbetriebe die Chance des offenen Hoftags nutzten. Leider würden solche Bauernhöfe  seit 24 Jahren systematisch verdrängt von politisch gestützten, oft neofeudalen DDR-LPG-Nachfolgebetrieben und anderen Agrarindustriellen - deren Interessen seien leider in den Ost-Landesbauernverbänden und auch in der Bauernverbandsspitze dominant. Solche Strukturen paßten nicht zu einem „Tag des offenen Hofes“, dafür solle der Bauernverband ehrlicherweise einen „Tag der offenen Agrarfabriken“ veranstalten.

Ilchmann kritisierte vor diesem Hintergrund u.a. die Einbeziehung des sogenannten „Forstguts Schmalhorn GmbH & Co.KG“ in die bauernverbandliche Bauernhof-Präsentation, obwohl dieses „Forstgut“ lediglich eine der vielen Tochterfirmen des JLW-Agrarkonzerns der Familie Lindhorst mit der Zentrale in Winsen/Aller (Kreis Celle) sei.  Die „JLW Holding AG“ sei bereits im Kritischen Agrarbericht 2010 kritisiert worden – mit ihren damals 17.000 (heute 22.000) Hektar Ackerbau (Originalton: „nach der Philosophie industrieller Landwirtschaft“), 2.000 Kühen, Rindermast, 40 Biogasanlagen-Beteiligungen und jährlich ca. 5 Millionen Euro an EU-Subventionen. Ilchmann empfahl den Besuchern des „Forstguts“ auch die Nachfrage, inwiefern der Konzern seinen zahlreichen bäuerlichen, vertragsgebundenen Maiszulieferern für die örtlich umstrittene  JLW-eigene Biogasanlage wirklich noch Preise zahle, die deren Kosten auch nur annähernd deckten.

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft wünsche den Besuchern des „Tag des offenen Hofes“ einen erlebnisreichen Tag, bei dem der Wert familiengetragener bäuerlicher Landwirtschaft deutlich werde. Dies könne die intensive gesellschaftliche Debatte um das Thema „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“, um eine vielfältige und nachhaltige Landwirtschaft mit artgerechter Tierhaltung weiter voranbringen.

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft  e.V. 
Landesverband Niedersachsen/Bremen - Pressesprecher:
Eckehard Niemann