Kommentar: Verborgene Agenda

Dieser Text ist erstmals erschienen im „rundblick/Nord-Report“ (Jg. 2014/Nr. 211, 18. November 2014), wurde nach Erscheinen durch die Verfasserin am 18. November 2014 aktualisiert und danach zum Nachdruck für die FREIEN WÄHLER NIEDERSACHSEN freigegeben.

(rb) Der Widerstand gegen den Plan von SPD und Grünen, auch in Niedersachsen die Lehrpläne für sämtliche Jahrgangsstufen an die Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Identitäten „anzupassen“, wächst. Zwar haben die rot-grünen Koalitionäre in der vergangenen Woche ihren bereits im März eingebrachten Antrag „Schule muss der Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Identitäten gerecht werden“ nahezu unverändert durch die Ausschussberatung des Landtags gebracht und wollen damit möglichst ohne viel Aufhebens im Dezember oder im Januar ein denkbares Gesetzgebungsverfahren der Landesregierung flankieren. Die Kritiker verstummen aber nicht – trotz der Beschwichtigungsver-suche etwa der Grünen, es gehe keineswegs darum, bereits in der Grundschule bestimmte Sexualpraktiken zu thematisieren, sondern eher darum, homophobe Schimpfworte wie „schwul“ so früh wie möglich aus dem Schulalltag zu verbannen.

An der medialen Spitze der Gegen-Bewegung agiert u.a. die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die Autor/innen und Wissenschaftler/innen zu Wort kommen lässt, die die „Gender-Ideologie“ und eine „Sexualpädagogik der Vielfalt“ kritisch würdigen und damit bereits erfolgreich gegen das Ansinnen der rot-grünen Koalition in Baden-Württemberg angeschrieben haben, den dortigen Bildungsplan um die sexuelle Vielfalt zu ergänzen. Nach umfänglichen Protesten wurde das Vorhaben jetzt erst einmal verschoben. In Niedersachsen haben bisher u.a. die CDU, die Junge Union, die Freien Wähler und die Elternräte an Gymnasien laut ihre Bedenken geäußert. Die Liberalen halten sich öffentlich zurück. In der entscheidenden Landtagsausschusssitzung am vergangenen Freitag stimmten sie dem rot-grünen Antrag aber zu, nachdem einige Änderungen durchgesetzt wurden. Die Angst, reflexhaft in die rechte oder die Spießer- und Frömmler-Ecke gestellt zu werden, ist offenbar groß – nicht nur bei der FDP.

Wohl auch aus diesem Grund werden selbst die Christdemokraten eher aus der Ferne zuschauen, wenn sich am kommenden Sonnabend am hannoverschen Steintor eine „Demo für Alle“ für die Wahrung der Elternrechte und gegen Gender-Ideologie und Übersexualisierung der Kinder in Kita und Schule formiert. Hinter den Gegnern der „alles durchdringenden Umerziehungsversuche gut organisierter Lobbygruppen und Gender-Ideologen zu Lasten von Ehe und Familie“ steht ein „Aktionsbündnis“ aus verschiedenen Familienorganisationen, politischen Vereinen, Einzelpersonen und Initiativen aus ganz Deutschland. Parallel laufen mehrere Online-Petitionen. Die bisher erfolgreichste Eingabe ist die der Freien Wähler Niedersachsen: Fast 14 000 Menschen haben sie bereits gezeichnet. Davon wollen die Koalitionäre allerdings nichts wissen. Sie bügeln den Widerstand gern als reaktionär und homophob ab.

Die rot-grünen Landtagsfraktionen, aber auch Kultusministerin Frauke Heiligenstadt, wären allerdings gut beraten, bei diesem heiklen Thema jeglichen Protest – auch den aus der vermeintlich rechten oder evangelikalen Ecke – anzuhören und ernstzunehmen. Denn das bisher noch weitgehend stille Unbehagen in der niedersächsischen Elternschaft über die bevorstehende Reform des Sexual-kundeunterrichts für alle Jahrgänge wächst. Ebenso wachsen die Zweifel an den Beteuerungen von SPD und Grünen, damit würde die „Persönlichkeitsentwicklung“ von Kindern und Jugendlichen geför-dert und der Diskriminierung von Homo-, Bi-, Trans-, Inter- und Asexuellen im Schulalltag vorgebeugt. Immer mehr Eltern befürchten, dass sie künftig weder darüber im Bilde sein werden, noch darüber entscheiden können, wer mit ihren Kindern in der Schule, möglicherweise auch schon in der Kita, über welche Aspekte von Sexualität spricht, etwa wenn dort Selbstvertretungsorganisatione<wbr />n von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen aktiv werden.

Geht es Rot-Grün wirklich um altersgerechte Aufklärung und Antidiskriminierung, oder verbirgt sich dahinter die Agenda einer vermeintlich modernen Sexualpädagogik, die bereits in den 1970-er Jahren danach trachtete, zu „entnormalisieren“ und für Kinder so früh wie möglich eine „selbstbestimmte“ Sexualität zu schaffen – also Partnerschaften zwischen Frau und Mann, Ehe und Familie grundsätzlich in Frage zu stellen sowie jegliche Tabus zu brechen? Alles, was denkbar ist, ist auch in Ordnung: Pädophälie, Pornografie, Promiskuität, Prostitution, Inzest ebenso wie riskante Sexspielarten oder die Ermunterung in der Schule, sich möglichst früh öffentlich zur eigenen sexuellen Orientierung zu bekennen? Diese Vorstellung geht selbst vielen aufgeschlossenen Eltern zu weit.

Britta Grashorn M.A., Freie Journalistin (Hannover)